Wandern und Kuren auf Römerspuren

Die Bundesstraße 260, auch Bäderstraße genannt, verbindet die Städte Wiesbaden, Schlangenbad, Bad Schwalbach, Bad Ems, um nur die Bedeutendsten unter den Heilbäder zu nennen. Bereits in vorrömischer Zeit benutzten die Kelten prähistorische Höhenwege wie den Rheinhöhenweg und seine Querverbindungen, welche in die alte "Hohe Straße" münden, die in römischer Zeit entstanden sein muss. Die "Hohe Straße" verband die Kastelle Kemel, Holzhausen, Marienfels und Bad Ems miteinander. Die heutige Bäderstraße folgt größtenteils dem alten römischen Pflaster. Abweichungen bei Holzhausen/Haide und zwischen Egenrother Stock und Kemel gehen zurück auf Kaiser Napoleon, der Trassen über weite Strecken schnurgerade ausbauen ließ. Daher trägt die Bäderstraße auch den Namen "Napoleonchaussee".

Unmittelbar rechts von der Bäderstraße kurz vor Holzhausen/Haide befindet sich ein Parkplatz, von dem man ein 1932 restauriertes Kastell aus spätrömischer Zeit erreichen kann. Ausgrabungen hier und in der Umgebung zeugen von der hohen Badekultur, die römische Soldaten selbst an vorderster Front pflegten. Sie führte dazu, dass die hinter dem Limes befindlichen Thermal- und Mineralquellen erschlossen und fortan als Trink- und Badequellen genutzt wurden. Heute bieten Wiesbaden, Schlangenbad, Bad Schwalbach und Bad Ems an, auf Römerspuren zu kuren.

Wenn man bedenkt, dass über das ganze Mittelalter bis in die Neuzeit diese Kultur mit ihren hervorragenden Heizungssystemen für Orte, wo keine warmen Quellen waren nahezu unbekannt war, so gebührt der Archäologie, die sehr oft nicht für ernst genommen wurde, ein besonderer Dank. Sie hat nicht nur längst vergessenes Wissen für die Nachwelt wieder aufgedeckt, sondern auch Erstaunliches an Erkenntnissen zum Nutzen unserer Zivilisation geliefert. Wenn wir mit unseren schnellen Autos über die Bäderstraße fahren, empfiehlt es sich, daran zu denken, dass schon Kelten und Römer vor 2000 Jahren hier unterwegs waren.

Dieses rauhe Bergland mit seinen herrlichen Wäldern, seinen heilbringenden Quellen und seiner Gastlichkeit ist es wert zu verweilen. 200 Jahre haben die Römer darum gekämpft. Heute ist es mühelos zu erobern.